Donnerstag, 9. Februar 2017

CREDO – Zitate der Portraitierten




CREDO
Bildnisse und Bekenntnisse
33 Portraits von Wohnungslosen


Ria A.: „Leben und leben lassen!“

Hans-Werner B.: „Bitte liebe Dich, mach' bitte nicht die Rechnung ohne Gott, Jesus und den Heiligen Geist!“

Domenico C.: „Live for something dn die for nothing!“

Klaus F.: „Stolz für' s Überleben zu kämpfen!“

Tamara F.: „No risk, no fun!“

Miroslava G.: „Ein Tag ohne Lächeln, ist ein verlorener Tag!“

Mihai G.: „Musik verbindet die Menschen!“

Detlef-Heinrich G.: „Mit mir kann man Pferde stehlen!“

Timo G.: „Du darfst den Glauben nicht verlieren!“

Volker G.: „Es muss immer weiter gehen. Es geht immer weiter!“




Dritan I.: „Solidarität!“

Philip K.: „Wir sind die Menschen von dieser Welt!“

Reza K.: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren!“

Seyed K.: „Unsere Wurzeln: Höflich sprechen, vernünftig sprechen und
vernünftig machen!“

Adian K.: „Ich will mein Leben verändern für eine bessere Zukunft!“

Eva L.: „Tue, was Du liebst und liebe, was Du tust!“

Christian L.: „Carpe diem. Numquam retro!“

Aron L.: „No drugs, no alcohol! Geht nicht, gibt' s nicht!“

Christian M.: „Die Schwierigkeiten sind von mir zu beseitigen!“

Maria M.: „Das Leben ist nicht wie eine Hühnerleiter!“

Sandra M.: „Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt!“

Serda M.: „Ich liebe Gott!“

Mira M.: „Hurra, wir leben noch!“

Stefanos N.: „Mit dem Leben muß jeder zufrieden sein, weil es immer etwas Schlimmeres gibt!“

Maria P.: „Ich möchte immer das Beste für meine Familie!“

Yvonne P.: „Durch meine schwere Vergangenheit kann ich heute gestärkt in die Zukunft gehen!“

Vasile P.: „I love colour!“

Reinhard H.: „Durchhalten, aber nicht unterkriegen lassen!“

Nico R.: „Sei' Du selbst!“

Britta Sch.: „Lach' und der Tag wird Dein!“

Frank Sch.: „Du kannst hinfallen, aber Du musst wieder aufstehen!“

Uwe Sch. „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!“

René Z.: „Der Weg ist das Ziel!“







Das Projekt entstand in Zusammenarbeit

mit der Diakonie Düsseldorf/ Café Pur.















Donnerstag, 5. Januar 2017

Sonntag, 28. August 2016

Predigt über Genesis 8,1 – 12 | Tiere in der Bibel









Blick in die Ausstellung Tanja Moszyk – Tiere der Bibel, 28.8. – 30.10.2016






Predigt über Genesis 8,1 – 12
gehalten am 28. August 2016 in der Evangelischen Kirche in Osterath



Liebe Gemeinde!
Menschen und Tiere – das ist ein spannendes, oft aber auch gespanntes Verhältnis.
Ich erinnere mich noch an die Erklärung eines unverstellt offenen kleinen Mädchens von fünf Jahren, das seinen Stallhasen fest an sich drückt und dabei sagt: „Hasen sind doch sehr praktisch. Man kann mit ihnen kuscheln und spielen und man kann sie essen.“
Ja – auf der einen Seite sind Tiere für Menschen Weggefährten und manchem Menschen ist sein Tier – sein Pferd, sein Hund, seine Katze – wichtiger als die Menschen um ihn herum.
Und es ist da nur folgerichtig, dass auch in Deutschland mittlerweile an vielen Stellen Tiere auf eigenen Friedhöfen beerdigt werden.
Auf der anderen Seite sind Tiere sehr häufig einfach eine Sache. Wenn ich die Katze des Nachbarn ums Leben bringe, dann ist das rechtlich keine Tötung, sondern lediglich Sachbeschädigung.
Wir töten Tiere nicht nur, um von ihnen zu leben, sondern nehmen bei Tierversuchen und Massentierhaltung auch in Kauf, dass sie millionenfach gequält werden. Dabei kenne ich nicht wenige, deren Einstellung zum Fleischessen sich nach einem ausführlichen Besuch in einer Schlachterei grundlegend geändert hat.

Auf der anderen Seite wurden Tiere aber von Anfang an natürlich auch für den Menschen zu Konkurrenten oder gar zur Gefahr. Märchen wie Rotkäppchen und der böse Wolf bringen das schon Kindern bei.
Und vom Beginn eingefriedeter Gärten bis heute müssen Menschen ihre Ernte, die ihnen das Überleben sichern soll, vor Tierfraß schützen.
Menschen und Tiere – das ist ein spannendes, oft aber auch ein gespanntes Verhältnis.

Vor diesem Hintergrund ist es finde ich sehr spannend, wenn wir uns, angeregt durch die Bilder von Tanja Moszyk, in der kommenden Zeit näher mit Tieren in der Bibel befassen können.

Schon in den ersten Kapiteln der Bibel kommen beide gemeinsam – Mensch und Tier und ihr Verhältnis zueinander – ja immer wieder vor.
Für kleine Kinder ist es sogar oft eine biblische Geschichte, mit der sie die verschiedenen, auch exotischen Tierarten das erste Mal kennen und benennen lernen – an dem eindrücklichen Bild vom Einzug der Tierpaare in die Arche Noah, das in fast keiner Kinderbibel fehlt.
Haben Sie auch noch solch ein Bild aus ihrer Kinderbibel vor Augen?
An vielen verschiedenen Stellen spielen Tiere eine Rolle in den biblischen Geschichten.

Zum Beispiel der Esel, der auf den Einladungskarten für diese Ausstellung zu sehen ist.
Wann und wo begegnet uns der Esel in der Bibel?
Das könnte eine gute Quizfrage sein, eine von den einfacheren.
Welche Geschichten würden Ihnen da einfallen?
Heute Morgen soll es aber im Weiteren um eine andere Geschichte gehen
und beispielhaft darin auch um ein anderes Tier: Den Raben. Das ist dann vermutlich für die meisten eine schwierigere Quizfrage.
Welche Geschichten in der Bibel fallen Ihnen ein, in denen ein Rabe eine Rolle spielt?
Eine will ich uns nun als Predigttext vorlesen.
Ich lese aus dem 1. Buch Mose im 8. Kapitel – einen Abschnitt aus dem Ende der Geschichte von der Arche Noah.

Da gedachte Gott an Noah und an alles wilde Getier
und an alles Vieh, das mit ihm in der Arche war,
und ließ Wind auf Erden kommen,
und die Wasser fielen.
Und die Brunnen der Tiefe wurden verstopft samt den Fenstern des Himmels, und dem Regen vom Himmel wurde gewehrt.
Da verliefen sich die Wasser von der Erde
und nahmen ab nach hundertundfünfzig Tagen.
Am  siebzehnten Tag des siebenten Monats
ließ sich die Arche nieder auf das Gebirge Ararat.
Es nahmen aber die Wasser immer mehr ab
bis auf den zehnten Monat. Am ersten Tage des zehnten Monats
sahen die Spitzen der Berge hervor.
Nach vierzig Tagen tat Noah an der Arche
das Fenster auf, das er gemacht hatte,
und ließ einen Raben ausfliegen;
der flog immer hin und her,
bis die Wasser vertrockneten auf Erden.
Danach ließ er eine Taube ausfliegen,
um zu erfahren,
ob die Wasser sich verlaufen hätten auf Erden.
Da aber die Taube nichts fand,
wo ihr Fuß ruhen konnte,
kam sie wieder zu ihm in die Arche;
denn noch war Wasser auf dem ganzen Erdboden.
Da tat er die Hand heraus
und nahm sie zu sich in die Arche.
Da harrte er noch weitere sieben Tage und
ließ abermals eine Taube fliegen aus der Arche.
Die kam zu ihm um die Abendzeit, und siehe,
ein Ölblatt hatte sie abgebrochen und trug's in ihrem Schnabel. 
Da merkte Noah, dass die Wasser
sich verlaufen hätten auf Erden.
Aber er harrte noch weitere sieben Tage und ließ eine Taube ausfliegen; 
die kam nicht wieder zu ihm.


Liebe Gemeinde, nicht wahr: die die Taube mit dem Ölzweig im Schnabel, die fällt uns gleich ein zu diesem Abschnitt der Noahgeschichte. Die Friedenstaube – Zeichen, dass sich neue Lebensmöglichkeiten hoffnungsvoll ankündigen. Viele haben dabei vielleicht sogar schnell das bekannte Bild der Friedenstaube von Pablo Picasso vor Augen. Nach dem 2. Weltkrieg für einen Friedenskongress 1949 entworfen, wurde es zum Symbol der Friedensbewegung.
Aber wussten Sie aus der Erinnerung, dass es ein Rabe war, den Noah als erstes losschickt, um die Lage zu erkunden? Nur auf ganz wenigen Bildern von der Arche Noah ist dieser Rabe zu sehen. Fast immer steht die Taube im Vordergrund.
Übrigens kommt er in der Bibel auch sonst nur an wenigen Stellen vor.
Warum begegnet er uns hier in der Geschichte?
Das haben sich auch schon viel früher jüdische Ausleger der Geschichte gefragt. Im Talmud, der großen alten jüdischen Traditionssammlung, versetzen sich die Ausleger in die Lage des Raben und lassen ihn Noah selbst fragen:
"Von allem lebenden Vieh und Geflügel, das es hier gibt, schickst du ausgerechnet mich?“
Um die Frage in ihrer Tiefe zu verstehen, muss man wissen: der Rabe ernährt sich auch von Aas. Deshalb ist er für Juden ein kultisch unreines Tier, ein Tier, das man Gott nicht opfert. Die Taube dagegen ist nach der Tora ein reines Tier. Auch Jesu Eltern opfern noch Gott im Tempel Tauben.
Darum wird zu Beginn der Sintflutgeschichte übrigens auch erzählt, dass Noah von den reinen Tieren, den Opfertieren nicht nur ein Paar, sondern gleich sieben Paare mitzunehmen soll; ihr Überleben in der neuen Welt soll ja nicht durch Opfergaben gleich wieder gefährdet sein.
Wenn der Rabe also Noah fragt: Warum schickst du ausgerechnet mich auf diese ungewisse Erkundung?, dann steht dahinter die Frage und Sorge: Wenn ich von dieser Mission nicht heil zurückkomme, dann wird es in der neuen Welt keine Raben geben. Meine Art wäre ja schon vorher ausgestorben.
In der jüdischen Auslegung damals antwortet Noah dann in diesem erdachten Dialog:
Ach Rabe – was ist denn Dein Nutzen für die Welt? Du taugst nicht zum Essen und nicht zum Opfer. Und das heißt wohl: Du bist zur Not auch entbehrlich.
Auf dich kommt es nicht so sehr an. 
Selbst bei Noah schon hat Artenschutz offensichtlich Grenzen.
Aber damit ist die Auslegung noch nicht zu Ende.
Der Text in der Bibel lässt zwar offen, ob der Rabe überlebt, neuen Lebensraum findet, ob er stirbt oder ob er vielleicht auch zur Arche zurückgekehrt ist.
In der Auslegung aber sagt Gott zu Noah:
Nimm ihn auf, denn in Zukunft hat die Welt ihn nötig!
Wer die Bibel kennt, der erinnert sich sofort daran, dass es Raben sind, die später in einer Hungersnot dem Propheten Elia Nahrung bringen und das Leben retten. Mich weist der oft in der Noahgeschichte übersehene Rabe darauf hin, dass Gott selbst immer wieder für seine Geschöpfe in Not sorgen will.
An zwei weiteren Stellen im Alten Testament sind es gerade die Rabenjungen, die oft laut nach den Eltern und nach Futter rufen, für die Gott selbst sorgt.
Und mit diesem Gedanken ermutigt später auch noch Jesus selbst seine Jünger sich nicht zu sehr um ihr Leben zu sorgen: Seht die Raben an: sie säen nicht, sie ernten auch nicht, sie haben auch keinen Keller und keine Scheune, und Gott ernährt sie doch.
Und seid ihr nicht noch viel mehr als die Vögel?

Der Rabe in der Bibel kann und will also, wenn wir ihn entdecken, unser Vertrauen ins Leben stärken. Damit kann er uns im Kleinen nahebringen, worum es in den ganzen ersten Kapiteln der Bibel auch im Großen geht: Unser Vertrauen ins Leben zu stärken.
Denn das ist ja nicht einfach selbstverständlich in einer oft lebensfeindlichen, auch chaotischen Welt. Manchen Menschen fällt es auch schwer, das in der Sintflutgeschichte zu finden.
Sie fragen – und haken fest an der Frage: Warum lässt Gott in dieser Geschichte so viele Menschen und auch so viele Tiere in der Flut sterben?

An dieser Stelle, mit dieser Frage, ist es wichtig, wenn wir uns zuerst noch einmal klar machen: Diese ganze Geschichte von Noah und der Flut gehört zur Urgeschichte, mit der die Bibel in ihren ersten 11 Kapiteln in Geschichten versucht, einen Rahmen und roten Faden für das große Ganze zu beschreiben für unser Leben als Menschen mit all unseren widersprüchlichen Erfahrungen.
Denn widersprüchlich bleiben unsere Erfahrungen mit der Welt, in der wir leben ja bis heute. Ein Leben lang. Und doch will das Leben verstanden und bewältigt werden.
Oft erleben wir die Schöpfung als wunderschön, als Heimat, und können sagen mit dem Schöpfungsbericht: Und siehe – es war sehr gut.
Es gibt aber auch die Erfahrung, dass Naturkräfte unser Leben bedrohen. Zerstörerische Überschwemmungen kennen wir selbst in Deutschland, und die Bilder riesiger Tsunami-Flutwellen sind uns auch noch lebhaft im Kopf.
Wie sehr müssen solche Erfahrungen Menschen vor Jahrtausenden – ohne Rettungsmannschaften in Flugzeugen und Hubschraubern – erschreckt und betroffen haben! Und mussten verarbeitet werden.
So gab es schon früh bei vielen Völkern ganz ähnliche Erzählungen von einer großen Flut, die solche Erfahrungen verarbeiten wollten.
Und nicht nur die Erfahrung von Naturgewalten gibt es bis heute. Bis heute kommt es immer wieder vor, dass Menschen anderen abgrundtief Böses antun.
Warum? Und wie sind solche widersprüchlichen Erfahrungen mit der Natur, mit unseren Mitmenschen, und am Ende auch mit uns selbst zusammen-
zubringen mit dem anderen, dem Guten?
Ja – wie können wir Gott und sein Handeln mitten in solchen Erfahrungen recht erkennen und verstehen?
Die ersten elf Kapitel der Bibel – und eben auch die Geschichte von Noah und der Flut – wollen dafür Verstehenshilfen sein und Antworten geben.
Sie versuchen, gerade auch für angefochtene, geprüfte Gläubige das Leiden an einer scheinbar gottlosen Welt zu deuten.
Die Geschichte von Kain, der seinen Bruder ermordet, erzählt es an einem einzelnen Menschen. Und die Geschichte von Noah erzählt es für eine ganze Menschengeneration.
Dabei halten beide auf ihre Weise fest: Ja, es gibt ein ‚Halt‘ Gottes gegen menschliches Böses.
Aber dieses Halt wird so eingesetzt, dass am Ende neue Hoffnung und neues Leben entstehen kann. Denn Gott will das Leben und will darum, dass wir Menschen auch das Leben aller Mit-Geschöpfe achten und achtsam damit umgehen.
Und das gilt auch bei der Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Tier und bei der Frage nach unserem alltäglichen Umgang mit den Tieren.
Auch das zeigt diese ‚Urgeschichte‘.
Bemerkenswert ist da schon zu Anfang, dass Gott zu Adam und Eva spricht:

Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen,
zu eurer Speise.

Offenbar reicht das zum guten Leben für sie. Die ersten beiden Menschen waren also Vegetarier.
Ob das vielleicht auch heißt, dass auch heute Vegetarier wie im Paradies leben können oder könnten?
Das ist allerdings gar nicht so einfach.
Längst nicht in allen Restaurants z. B. stehen auch gute, sättigende Speisen ohne Fleisch auf der Karte.
Warum eigentlich?
Erst nach der Sintflut erlaubt Gott den Menschen, auch Tiere und Vögel und Fische zu essen. Da heißt es nach unserem Predigttext:

Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde. Furcht und Schrecken vor euch sei über allen Tieren auf Erden und über allen Vögeln unter dem Himmel, über allem, was auf dem Erdboden wimmelt, und über allen Fischen im Meer; in eure Hände seien sie gegeben.  Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut habe ich's euch alles gegeben. Allein esset das Fleisch nicht mit seinem Blut, in dem sein Leben ist!

Offenbar gehört das Essen von Fleisch zu unserer unerlösten Welt. Aber wir sollen es nicht gedankenlos tun. Nicht mit seinem Blut: diese Speisevorschrift hilft zu einem achtsamen Umgang und wird noch heute von gläubigen Juden und Muslimen beachtet.
Ein letzter Hinweis aus der Noahgeschichte, der uns anregen kann und sollte, unser Verhältnis zu den Tieren und unseren Umgang mit Ihnen bewusst zu bedenken. Wir kennen alle den Regenbogen als Zeichen des Bundes, den Gott nach der Sintflut schließt. Aber könnten Sie sagen, mit wem Gott diesen Bund schließt – diese Zusage, dass keine Sintflut mehr das Leben auf der Erde mehr völlig verderben soll?
Nicht nur mit dem Volk Israel, das diese Geschichte für uns überliefert. Sondern mit allen Menschen auf der Welt. Doch nicht nur das.
Sondern es heißt da ausdrücklich:

Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen  10 und mit allem lebendigen Getier bei euch, an Vögeln, an Vieh und an allen Tieren des Feldes bei euch, von allem, was aus der Arche gegangen ist, was für Tiere es sind auf Erden. 11 Und ich richte meinen Bund so mit euch auf, dass hinfort nicht mehr alles Fleisch verderbt werden soll durch die Wasser der Sintflut und hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe. 16 Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das auf Erden ist. 17 Und Gott sagte zu Noah: Das sei das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet habe zwischen mir und allem Fleisch auf Erden.

Liebe Gemeinde, Menschen und Tiere – das ist ein spannendes, oft aber auch gespanntes Verhältnis. Was können uns die Tiere der Bibel sagen, was der Rabe der Noahgeschichte und die anderen Hinweise der großen Urgeschichte zu den Tieren, zu unserem Leben mit ihnen und von ihnen in unserer widersprüchlichen Welt?
Da gibt es, denke ich, keine einfachen allgemeinen Antworten. Aber es ist gut, wenn es immer wieder ein Bewusstsein und eine Achtsamkeit für diese Fragen gibt. Sie kann uns zu persönlichen Antwortversuchen verhelfen. Einen solchen persönlichen, nachdenklichen Gedankenversuch will ich darum an das Ende stellen – einen kurzen Text der Schriftstellerin Luise Rinser. Überschrieben ist er mit:

Die Tränen der Tiere.
Was mich immer schon quälte, schreibt Luise Rinser,
Was mich immer schon quälte: Adam und Eva haben gesündigt, indem sie sich aus der Einheit lösten und aus dem Paradies stürzten.
Sie, ja. Aber die übrige Natur? Aber die Tiere?
Wieso kann Abel ein Lamm opfern? So waren denn auch Tiere aus dem Paradies verjagt worden?
So ist es. Sie wurden der tötenden Hand des Menschen ausgeliefert. Schuldlos!
Ja, aber unlösbar verstrickt in das Schicksal des Menschen.

Aber wenn das so ist, dann gehören sie auch zum künftigen Schicksal des Menschen: zur erlösten Welt! Also sind auch sie auf dem Weg, … auf dem Weg zum Gott.
Wer lehrt uns diese Ehrfurcht vor dem Tier?
Die Indianer baten ihren Gott um Verzeihung, wenn sie auf der Jagd ein Tier töteten. Bitten wir um Verzeihung für die entsetzlich grausamen Tierversuche? Paulus schrieb, die Schöpfung warte stöhnend auf die Erlösung.
"Die Schöpfung liegt in Wehen."
Die gesamte Schöpfung. Also auch die Tiere. Sie erwarten wie wir Menschen die Zeit, in der "alle Tränen abgewischt werden".
Die Tränen der Tiere: der Versuchstiere, der Lasttiere, der Tiere in den engen Käfigen, der Kettenhunde, der von Urlaubern ausgesetzten Hunde und Katzen, der aus falscher Liebe überfütterten und darum kranken Haustiere ...
Das Leid der Tiere schreit um Hilfe. Ich sage: Wir Menschen werden nur dann erlöst, wenn wir den Tieren zu ihrer Erlösung helfen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in unserem Herrn Jesus Christus. Amen.



Pfarrer Dr. Gerhard Saß





Tanja Moszyk – Esel. Collage, Zeichnungen, Holzschnitt