Montag, 12. Februar 2018

Ursula Vehar – An der Grenze










An der Grenze. Bilder von Ursula Vehar.

Eröffnung: Sonntag, 18.2.2018 um 11.15 Uhr


















Fotos: Marlies Blauth







Donnerstag, 7. Dezember 2017

Einführungsrede von Eva M. Töpfer – zu Birgit Mölle-Weber







Integration. Birgit Mölle-Weber/ Foto-Pingere





Transformation

Ausstellung von Birgit Mölle-Weber

Bevor ich auf die hier gezeigten Werke von Birgit kurz eingehe, möchte ich Ihnen  die vielseitige Künstlerpersönlichkeit, die sich in den Werken widerspiegelt, etwas näher bringen.
Birgit Mölle-Weber hat ihre Ausstellung „Transformation“ genannt. Dieses Thema liegt ihr sehr am Herzen. Transformation ist Wandlung, Umformung, das ewige Sein und Werden. Manche befassen sich bewusst mit diesem Thema, wie Birgit, andere werden verwandelt, ohne dass dieser Entwicklungsprozess in ihr Bewusstsein dringt. Unser gesamtes Leben lang befinden wir uns in Wandlung, und alles, was lebendig ist, mit uns. Aber diese Transformation geschieht nicht irgendwann in der Zukunft, sondern in jedem Moment gelebter Gegenwart.
Wie kommt die Künstlerin nun zu ihren Motiven? Sie sagt: Ich suche nicht, ich finde. Damit will sie andeuten, dass sie ihre Motive nicht inszeniert, sondern in der Natur findet und sie mit dem Fotoapparat in ihrem augenblicklichen So-Sein ablichtet. Der besondere Moment wird festgehalten und verewigt. Fotografie ist für sie keine Dokumentation im eigentlichen Sinne, sondern eher die Entdeckung eines magischen Augenblicks, wenn ihre Aufmerksamkeit sich von den Motiven angezogen fühlt, ihre Seele berührt wird. Die bewusste Handlung ist dann das Drücken des Auslösers, und wenn es glückt, kann der Betrachter diesen besonderen, eingefangenen Moment in ihren Werken miterleben.  Sie sucht auch nicht nach Inspiration, sondern die Inspiration findet sie eigentlich überall, weil sie bereit und offen ist für neue Eindrücke.  Es ist diese Offenheit und ein Wach-Sein für eine spezielle Sicht auf die Welt, die spirituelle, kreative Menschen auszeichnet, wenn das göttliche Fünkchen ihre Seele berührt.
Nun zu ihren Werken.
Die Fotografien, die sie hier zeigt, befassen sich mit dem sich bewegenden Spiel des Lichtes auf einer metallischen Oberfläche. Die Materialität wird umgewandelt in farbige Grautöne, nicht zu fassende feine Strukturierungen und den Widerschein von Helligkeit und Dunkelheit. Diese fast immateriellen, transparent erscheinenden Oberflächen werden von Linien durchzogen, die sich ins Unendliche verlieren. Oberfläche und Linie assoziieren Bewegung und Festigkeit. Das Kreuz der Linien auf manchen Fotografien lässt an das Kreuz im christlichen Kontext denken, was auch für Birgits eigene Transformation wichtig ist und die sie daher bewusst betont.
In den Foto-Pingere-Arbeiten kombiniert die Künstlerin Schwarz-Weiß-Fotos, die sie auf Leinwand druckt, mit Malerei. Auch hier geschieht eine Verwandlung, aber auf eine gänzlich andere Weise. Als Transformation bezeichnet man es auch, wenn von Menschenhand geschaffene Veränderungen in der Landschaft durch die Natur wieder rückverwandelt werden, was Birgit mit ihren Foto-Pingere Arbeiten aufzeigt.
Fotografie und Malerei sind für sie zwei verschiedene Sprachen, die durch die Kombination in den von ihr Foto-Pingere genannten Arbeiten zu einer Einheit im Ausdruck werden.
Während die Fotografie das abbildet, was sie so, auf diese Weise, gesehen hat, legt sie in den Foto-Pingere Arbeiten ergänzend Hand an und gestaltet das Werk nach ihren Vorstellungen neu. Dadurch bekommt das Werk eine völlig neue Übersetzung der Bildsprachen, die bestimmte Aspekte des Bildes, die der Künstlerin wichtig sind, besonders betont und integriert. Hier ist ihr wichtig, die Rückeroberung durch die Natur, den langsamen Verwandlungsprozess, durch ihren künstlerischen Eingriff bewusst zu machen. Der Kontrast zwischen von Menschen geschaffenen Bauwerken als in Zeit und Raum begrenzten Eingriff in die Natur und dem ewigen göttlichen Wirken der Verwandlung, wird direkt sichtbar und bleibt trotzdem ein Geheimnis.
Es heißt: Kunst entsteht im Auge des Betrachters. Ich sage: Im Idealfall berührt Kunst das Herz und nimmt den ganzen Menschen für sich ein, verwandelt sein Denken und Fühlen.
Ich habe bewusst auf die Aufzählung von Werdegang und Ausstellungen verzichtet und mich auf das beschränkt, was Sie nicht in der Vita nachschlagen können.
Ich wünsche Ihnen ein erbauliches Seherlebnis.









Samstag, 30. September 2017

Einführungsrede von Inge Heinicke-Baldauf (zu Ina Jenzelewski)












In einem weißen Feld.

Die Künstlerin Ina Jenzelewski wurde in  Hamm geboren, hat in Dortmund studiert, ist heute Mitglied in verschiedenen Künstlervereinigungen und stellt regelmäßig im In- und Ausland ihre Werke aus. 

Es wächst, rankt, windet sich, fächert sich auf, erblüht, scheint zu welken in den Werken von Ina Jenzelewski.  Ein ganz besonderer „Garten“ entfaltet sich vor den Augen der Betrachter: gefüllt mit fragilen, zarten Gebilden, organisch, floral anmutend, in rhythmischer Bewegung sich befindend oder voll innerer Ruhe.
  
Die Farbigkeit ist voller leiser, sensibler Klänge, aber auch voller Energien.
Erstaunlich, dass diese wunderbaren „Gewächse“ aus Abfallprodukten, Fundstücken, Materialien des täglichen Gebrauchs entstehen.
Die Künstlerin selbst formuliert es so: „Zumeist sind es aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellte Produkte, die nach einmaligem Gebrauch im Abfall enden. Die Technik habe ich mir selbst erarbeitet und im Laufe der Jahre perfektioniert. Es entstehen aus Zellstofftüchern, benutztem Filterpapier, abgerollten Papphülsen und/oder Verpackungsmaterial … durchscheinende Materialbilder.“
Bei genauerer Betrachtung erkennen wir, dass diese oft hauchzarten Materialien   geschichtet, gefaltet und verdreht werden.
Es entsteht eine ganz besondere, fragile Ästhetik, eine Mischung aus Strenge und einem freien Spiel.

Hier in Meerbusch zeigt die Künstlerin einen Ausschnitt aus ihren Werken, sie gewährt uns den Eintritt in ihren kunstvoll angelegten „Garten“:
Ina Jenzelewski wählt den Titel In einem weißen Feld, inspiriert durch ein Erntedanklied, aber auch Bezug nehmend auf ein durchgehendes Gestaltungsprinzip: Auf einem weißen Feld, einem weißen, in der Ausstellung durchgehend quadratischen Bildgrund, wachsen und gedeihen ihre Bildmotive.

Große, quadratische Formate begegnen uns in der Apsis. Zwei sich ähnelnde Motive auf weißem Grund, Fächerformen, die eine in ihrer Form aufgebrochen, gerät auf diese Weise in Bewegung.
Feine Strukturen durchziehen beide Gebilde wie Blattadern. Hauchzartes Papier wurde in verschiedenen Schichten gefaltet und geschichtet.
Diese Fächerformen – sind sie die XXL-Vergrößerung eines Blattes?

In der Tat erinnern uns diese fragilen Gebilde an Blätter des Ginkgo-Baumes. Ginkgo biloba, so lautet die botanische Bezeichnung des chinesischen Tempel-  und Glücksbaumes, der aufgrund der ausgefallenen Blattform auch den poetischen Namen „Fächerbaum“ trägt.  
Der Ginkgo-Baum, einer der ältesten und langlebigsten Bäume der Menschheitsgeschichte, ist in verschiedenen Kulturen zum Symbol des Friedens, der Freundschaft und des Lebens selbst geworden. Diesem Baum wird nachgesagt, dass er die verheerende Katastrophe von Hiroshima überlebte. Ein Exemplar, das nicht weit vom Epizentrum der Detonation stark beschädigt wurde, ausgehöhlt, die Rinde verbrannt, schlug wieder grün aus und überlebte. Das klingt beeindruckend und erschütternd zugleich.
Noch heute soll dieser Baum in Hiroshima stehen und wachsen. Der Ginkgo-Baum ist mehr denn je in der modernen Welt Hoffnungsträger für eine Welt ohne Kriege und Gewalt geworden. Heute prägt das Ginkgoblatt als Logo der Stadtverwaltung das Stadtbild von Tokio nachhaltig.

Zwei an Ginkgoblätter erinnernde Bilder, hier in Meerbusch von der Künstlerin  im Altarraum platziert: Zarte Gebilde, an Blätter eines Baumes erinnernd, der  eine solche Symbolkraft besitzt, der für Frieden, Liebe, Freundschaft und das Leben Sinnbild geworden ist. Welch ein passender Ort für eine Präsentation dieser Werke!

Die Künstlerin selbst hat für die beiden Exponate jeweils den Titel „Mondbaum“ gewählt. Das klingt geheimnisvoll, fast märchenhaft.
Vielleicht erinnert es auch den ein oder anderen von Ihnen an die Apollo14-Mission im Jahr 1971. Es wurden Pflanzensamen mitgenommen, um zu testen, ob die Schwerelosigkeit eine Auswirkung auf deren Wachstum habe. Nachdem die Samen den Mond 34-mal umkreist hatten, wurden sie auf der Erde von den Forschern zum Keimen gebracht und an verschiedenen Orten in der ganzen Welt angepflanzt. Diese Bäume sind noch heute unter dem Namen „Mondbaum“ bekannt.
Hat diese reizvolle Geschichte die Künstlerin inspiriert?
Hat die Künstlerin, einer Gärtnerin gleich, den Samen in ihren Bildern aufgehen lassen?

Die Fächerform durchzieht immer wieder das Werk der Künstlerin. Auch in dieser Ausstellung nimmt Ina Jenzelewski das Motiv im Saal noch einmal auf. Die zarten Papierobjekte in den Materialrahmen wirken wie kleine botanischen Schatzkästchen. Hier sprießt es allerdings deutlich farbiger: Die Fächerformen sind in die Farben des Werdens und Vergehens getaucht, von lebendigem Grün über herbstliche Farbvariationen bis hin zum Verschwinden der Farbe im Grau und Schwarz.   
Mit Farben und Formen spielt hier die Künstlerin. Sie variiert eine Grundform. Variation, die Wiederholung mit Abweichungen, ist ein innewohnendes Gesetz der Natur. Variation umgibt uns überall.
Das Prinzip der Variation ist auch etwas, das den Künstler überhaupt beschäftigt. Vielfalt in der Einheit: Es ist das Experimentieren mit den Entfaltungsmöglichkeiten, die ein Motiv zulässt, ohne an Spannung zu verlieren.

Die Ähnlichkeit mit einem Ginkgoblatt ist bei den Arbeiten „Blattfächer“ übrigens noch augenscheinlicher.
Die ungewöhnliche Blattform des Ginkgobaumes hatte schon den Dichter Goethe zu einem eindrucksvollen Liebesgedicht angeregt, das er im West-östlichen Divan veröffentlichte. Das Ginkgo-Blatt gleicht einem Fächer, doch hat dieser oft mittig einen Einschnitt, sodass eine Form entsteht, die zwei zusammengeschmolzenen Herzen gleicht und für Goethe zum Sinnbild der Liebe und Freundschaft wurde.
Schauen Sie genau hin! Entdecken Sie den charakteristischen Einschnitt?      

Neben der Fächerform, die manchmal schon einem Halbkreis ähnelt, greift Ina  Jenzelewski auch immer wieder die vollständige kreisrunde Form auf.
Im Kirchenraum heißen die unfarbigen, stillen Bilder „Ordnung“, „Drehung“, „Blende“ und „Eindrehung“. Damit gibt sie den Exponaten Titel, die sich deutlich auf die Gestaltung beziehen.
Auch hier greift die Künstlerin wieder die Variation eines Themas auf. Alle Bilder haben dasselbe Format, alle die gleiche runde Grundform. Alle bestehen aus sorgfältig geschnittenen Rundungen einer Papprolle, die mit Papier überzogen sind. Sie zeichnen sich ab wie feine Linien.
Im Bild mit dem Titel „Ordnung“ wirkt die aus Naturmaterialien bestehende Struktur gleichmäßig und unbewegt: geordnet.
Im nächsten Bild gerät die Struktur in Bewegung, fängt an, sich sozusagen zu drehen: Ein lochartiger Raum entsteht. Im Bild „Blende“ schließt sich der entstandene Raum wieder wie bei einer kleiner werdenden „Blende“ einer Kameraeinstellung. Im vierten Bild, der „Eindrehung“ geht die Richtung der Bewegung wieder nach innen. Somit schließt sich das Gebilde.
Die Künstlerin zeigt uns hier – wie auf einem Filmstreifen – die einzelnen Sequenzen eines Bewegungsablaufs.

Die runde Form wird auch in den Werken „schwindendes Grün“ und „leuchtendes Rot“ aufgenommen. Wie farbige Mandalas wirken sie auf dem weißen Feld. Auch diese könnten als Sinnbilder des Wachsens, Gedeihens und Vergehens gelesen werden. Das Grün, die Farbe des Wachstums, schwindet. Wird es dem Grau und Schwarz, dem Unbelebten weichen müssen?
Erinnert die runde Form mit ihrem ausgesparten Mittelpunkt nicht auch an ein Rad, das als Sinnbild der Veränderung, des ewigen Wandels, der voranschreitenden Zeit und des Schicksals begriffen wird?

Im „Garten“ der Künstlerin herrscht nicht immer Sonnenschein. Auch Nebelschwaden durchziehen ihre Bilderwelt. Hauchzart fügt die Künstlerin  transparentes Papier zusammen und betont in den kleinen rechteckigen Formaten die Waagerechte in ihrer Gestaltung. Senkrecht aufsteigend wirken dagegen die Samenkapseln.
Hier im Bild sind die Samenkapseln noch verschlossen und strahlen in ihrer gleichmäßigen rhythmischen Anordnung Ruhe aus, aber Samen
sind die Kraftzentren der Natur. In ihnen sammelt sich eine geballte Energie, die irgendwann aufbricht, um das Leben sozusagen herauszulassen.
Das Bild des „Samens“ mit seiner Symbolkraft wird im kirchlichen Kontext immer wieder aufgegriffen. Also auch hier ist das Werk „Samenkapseln“ von der Künstlerin, ähnlich wie das Motiv des Ginkgoblattes, sinnvoll und überzeugend für eine Ausstellung in der Kirche gewählt.
  
Und hier schließt sich der Kreis:

Unser gemeinsamer kleiner Rundgang durch den „Bildergarten“ der Künstlerin Ina Jenzelewski findet sein Ende. Wir haben uns aufgehalten in einem Raum des Wachsens, Gedeihens und Vergehens, der lauten und leisen Farbklänge, der Ruhe und Bewegung. Mondbäume und Nebelschwaden haben unseren Gang verzaubert. 

Nun dürfen Sie sich noch einmal ohne meine Begleitung Ihren Weg suchen und ich hoffe, dass das Vorgetragene noch etwas in ihnen nachklingt.







  




 Blick in die Ausstellung, Abendbeleuchtung der Apsis